Starker Einsatz für evangelische Bildungsvielfalt

Am Scheideweg ist er der richtige Mann. Im Angesicht einer schwierigen Finanzsituation zieht Hans-Ulrich Schulz die Reißleine. Konsolidierung und Wachstum werden Programm. Über die Insel hinaus öffnen sich neue Horizonte für eine reiche Bildungslandschaft.

Hans-Ulrich Schulz

  • 1945 geboren in Bad Sachsa
  • Vikariat im Kirchenkreis Templin
  • Predigerseminar in Brandenburg an der Havel
  • 1970 - Pfarrer in Premslin/Prignitz
  • 1981 - Landesjugendpfarrer in Potsdam
  • 1987 - Pfarrer in Brielow
  • 1992 - Superintendent in Potsdam
  • 1994 - Kuratoriumsmitglied
  • 1997 - 2010 Generalsuperintendent in Potsdam
  • 1998 - 2014 Vorsitzender des Kuratoriums

Konstruktiv und vertrauensvoll, aber auch kritisch über die Schulter und in die Bücher zu schauen, ist seine Maxime für diesen „Job“. In ehrenamtlichem Einsatz prägt er als Kuratoriumsvorsitzender 16 Jahre Stiftungsgeschichte mit einem enormen Wachstumsprozess. Letzterer ist nicht nur physisch gemeint, sondern insbesondere ideell: Weniger die evangelische Trägerschaft ist von Relevanz, als vielmehr das evangelische Profil. Schulz nennt es Orientierungswissen. Es geht über Wissensvermittlung hinaus. Es bedeutet nämlich Herzens- und Gewissensbildung. Eine ideale Kombination, die in der vielfältigen Bildungslandschaft der Hoffbauer-Stiftung garantiert ist. Für dieses klare Profil überwindet er gemeinsam mit dem Vorstand viele schwierige rechtliche und politische Rahmenbedingungen in Zeiten, als konfessionelle Schulen noch nicht im Trend sind.

Und überhaupt beginnt seine Amtszeit wenig vielversprechend. Die Umstellung des diakonischen Hermannswerder ist nach der Wiedervereinigung eine Mammutaufgabe. Alle Bereiche müssen überarbeitet, neu zertifiziert und wirtschaftlich effizient gestaltet werden. Gleichzeitig besteht nach 40 Jahren Mangelwirtschaft ein immenser Sanierungsbedarf bei den vielen historischen Gebäuden. Insbesondere nach Abzug der Sowjetarmee und der Räumung des städtischen Krankenhauses. Angesichts der hohen finanziellen Anforderungen ist die Lage auf der Insel krisenanfällig.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends spitzt sich die Lage zu bis zur drohenden Zahlungsunfähigkeit im Januar 2002. Gehälter können nicht überwiesen werden, sämtliche Festgeldkonten sind aufgelöst, die Stiftung steht vor dem Kollaps.

Gleichwohl ist Schulz schon länger im Bilde über die kritische Lage, die durch Missmanagement erheblich verstärkt wird. Im entscheidenden Moment gelingt deshalb eine unerwartete Rochade: Erst Monate zuvor mit beratender Stimme in den Vorstand berufen, übernimmt der junge Direktionsassistent Frank Hohn das Ruder.

Schulz hat den richtigen Riecher: Seinem Hoffnungsträger Hohn gelingt es, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Seine dezidierten Kenntnisse, seine fachliche Qualifikation und seine Entschlossenheit erweisen sich als wesentlich.

Neben der Reorganisation sämtlicher Arbeitsprozesse und massiver struktureller Maßnahmen auf der Insel gilt es, einen Geschäfts- und Finanzpartner für die Existenzsicherung der Stiftung zu finden.

In engem Schulterschluss von Hohn und Schulz gelingt die Kooperation mit der Berliner Stephanus-Stiftung, während die Hoffbauer-Stiftung als juristische Person mit allen Organen erhalten bleibt.

Viele Optionen eröffnen sich nun, zuallererst die Sicherung der Liquidität, aber auch neuer Investitionsspielraum, fachliche Unterstützung in den einzelnen diakonischen Arbeitsbereichen und den wachsenden Verwaltungsaufgaben.

Mit diesem drastischen Durchgriff gelingt Schulz nicht nur die Konsolidierung, sondern auch der Ausbau der Stiftung. Unter dem Motto „Evangelisch macht Schule“ entsteht 2006 ein großer gemeinnütziger Bildungsträger: Ein gewichtiger Player in Brandenburg, der mit mehreren Kitas, Grundschulen, Gymnasien, dem Jugendhaus Oase, sozialen Berufsausbildungen und dualen Studiengängen und Pflegeausbildungen hohe Standards setzt.

Daneben behält Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz die Menschen aber immer noch gut im Blick. Mit feinem Sinn für Humor, Sensibilität und einer begnadeten Rednergabe gibt er Impulse, leitet, lenkt und schlichtet. Den gemeinsamen Weg nicht aus dem Blick verlierend und mit Freude an der Entfaltung kirchlichen Lebens und konfessioneller Bildung: „Mein Gott! Manchmal war es anstrengend und ohne Konflikte ging es auch nicht ab, aber oft hat es Freude gemacht, in der Mitverantwortung für eine große Aufgabe zu stehen.“