Hohe Ideale

Erfüllt von der „Schönheit und Hoheit des Dienstes“ prägt Elisabeth von Puttkamer das Inselleben. Kraft ihrer hohen Ideale als Diakonisse und Erzieherin versteht sie es, ihren Schülerinnen eine christliche Bildung von Herz, Hand und Kopf mit ins Leben zu geben.

Elisabeth von Puttkamer

  • 1872 geboren auf Gut Körberhof, Westpreußen - 1956 gestorben in Potsdam
  • Viertes von sieben Kindern, drei sterben im Kindesalter
  • 1876 - Umzug der Familie nach Verkauf des Gutes Körberhof nach Löbau
  • 1886 - Tod des Vaters und Umzug nach Stolp, später Brandenburg/Havel
  • Hauslehrerin und Erzieherin
  • 1910 - Hausmutter im „Birkenhaus“, Einsegnung
  • 1921 - Oberin der Frauenschule
  • 1929 - Leiterin der dreijährigen Frauenoberschule
  • 1935 - Eintritt in den Ruhestand
  • wirkt weiter als Hausmutter im Birkenhaus und gibt einzelnen Schülerinnen Nachhilfestunden
  • 1956 - verstirbt in Folge eines Unfalls

„Put“, wie sie liebevoll genannt wird, wächst mit dem Aufbau der Frauenbildung in ihre Aufgabe auf der Insel. Die Mädchenschule, das Lehrerinnenseminar und die Haushaltungsschule stecken noch in den Kinderschuhen. Nach dem 1. Weltkrieg folgt die Hyperinflation und der Verlust des gesamten Stiftungsvermögens. Die meisten Schülerinnen weg, Gebäude leer, tiefes Schweigen. Der verbliebene Rest harrt aus und hat mit Hunger, Krankheiten und Kälte zu kämpfen. Gleichwohl erfolgt 1921 der Neustart: Die Eröffnung der einjährigen Frauenschule mit 4 Schülerinnen. Weniger Stunden in Mathematik und Englisch, dafür aber Fächer wie Pädagogik, Psychologie und Ethik. Im Vordergrund stehen vor allem technische und sozialpflegerische Themen wie Hauswirtschaft, Nadelarbeit, Säuglings- und Kleinkinderpflege sowie Gartenbau.

Ein Wagnis, das sich auszahlt. Unter der Leitung von Oberin Elisabeth von Puttkamer sind drei Jahre später schon 66 junge Frauen in der Ausbildung. Und so geht es weiter. 1927 folgt ein kombinierter Lehrgang für Lehrerinnen der Hauswirtschaft und Nadelarbeit und 1929 die dreijährige Frauenoberschule mit Werkabitur.

Dieser Erziehungsarbeit widmet die Oberin ihr Leben. Begabt mit der Kraft ihres Glücks, den Schülerinnen ein wertschätzendes und umfassendes Lebensverständnis zu vermitteln, setzt sie Maßstäbe.

Voll Stolz begeistert sich die Oberin an der erfolgreichen Entwicklung der letzten Jahre: „Ihr lieben ersten Frauenschülerinnen müsst unbedingt mal sehen, was aus Eurer alten Schule geworden ist!“

Schwärmerisch berichtet sie von dem Zauber der Insel: Dem Garten, den sie einst mit den Schülerinnen angelegt hat und der eine zunehmende Pracht entfaltet. Zu Beginn der 1930er Jahre mit vielen Spalieren, Frühbeeten und sogar einer Beregnungsanlage. Auf dem Gutshof besteht jetzt eine moderne Hühnerzucht, nebst Enten, Puten und Josef, dem Gänserich. Und erst die einzigartigen Sportstätten, wie der Tennisplatz, der Steg mit Schuppen und diversen Ruderbooten an der Himmelfahrtswiese und dem herrlichen Templiner See mit unvergesslichen winterlichen Schlittschuhvergnügen. Ja, hier sind wir glückliche Leute!

14 Jahre leitet Oberin Elisabeth von Puttkamer „die Birke“. Die Herzkammer des Bildungsbetriebs. In dem größten Gebäude auf der Insel befinden sich die Wohn- und Schlafräume für 100 Schülerinnen des Oberlyzeums und der Frauenschule sowie teilweise für das Lehrpersonal. Zudem ist hier auch die Säuglings- und Kleinkinderstation mit Kindergarten untergebracht. Die dafür notwendige logistische Ausstattung kann sich sehen lassen: Zentralküche mit zwei Zusatzküchen, Spülraum und Waschküche sowie eine Roll- und Bügelstube. Alles ist in bunten Farben gestrichen: Der Speisesaal in grün und gelb!

Hier zeigen sich die Vorteile der Internatserziehung ganz besonders: Alle Fachbereiche sind in unmittelbarer Nähe. Die in der ersten Zeit theoretisch erworbenen Kompetenzen in Säuglings- und Kleinkindpflege können unter einem Dach praktische Anwendung finden. Die Ausbildung ist intensiver und individueller als ein paar Stunden in einem auswärtigen Heim.

In den zwei Schulküchen können jeweils zwölf Mädchen gleichzeitig kochen. In den Schulgärten leiten zwei landwirtschaftliche Lehrerinnen die Gartenarbeit, im Sommer helfen die Schülerinnen auf den Feldern und auf dem Gutshof. Im vierzehntägigen Einsatz versorgen sie dort alle Ställe mit Hühnern, Ziegen, Gänsen und Kaninchen.

Ja, die Tage sind reich ausgefüllt.

Dankbar formuliert es eine Schülerin 1928: „Sie zeigten uns, dass es möglich ist, ein ganz freier Mensch zu sein und sich als solcher freiwillig unter eine Notwendigkeit zu beugen. … Sie pflegten nicht nur Verstand und Vernunft, sondern auch unseren inneren Menschen.“

Das lehrt Elisabeth von Puttkamer nicht nur, das lebt sie aus tiefer Überzeugung. Mutig folgt sie ihrem inneren Kompass: Trotz großer Bedrängnis während der NS-Diktatur führt sie ihre Schwestern im Mutterhaus Hermannswerder auf den Weg des Widerstands. Den Weg der Bekennenden Kirche.