Schwester Ida Grünke und „ihre Mädchen“: noch ein Gedenken an die Wiedervereinigung im Jubiläumsjahr 2020

1990 fand nach fast 40 Jahren das erste gemeinsame Treffen von Ehemaligen des Evangelischen Schülerinnenheims der Hoffbauer Stiftung (1945 – 1953) statt. Schwester Ida Grünke hatte über die Jahrzehnte den Kontakt zu den Ehemaligen, zu „ihren Mädchen“, „ihren Kindern“, aufrecht erhalten: Durch ihre ausführlichen Adventsbriefe, durch gelegentliche Treffen mit West-Berliner Ehemaligen, durch Besuche der in der DDR Wohnenden in Hermannswerder. Nun war Anfang 1990 - noch vor der Wiedervereinigung - der Weg frei, dass wir uns alle gemeinsam in Hermannswerder treffen konnten. Und Schwester Ida nahm die Aufgabe, ein gemeinsames Wochenende für uns zu organisieren, trotz ihrer angegriffenen Gesundheit mit großer Freude an. 17 Ehemalige konnten kommen, einige brachten ihre Ehemänner mit. Es war das erste und zugleich das letzte gemeinsame Treffen mit Schwester Ida; sie starb im November 1991. 

Nach diesem ersten Treffen 1990 trafen wir Ehemaligen uns, meist im Zwei-Jahresrhythmus, bis 2015 und hielten die Erinnerung an die beiden Diakonissen (Schwester Ida war in den kurzen, so schweren Nachkriegs-Jahren des Evangelischen Schülerinnenheims zuständig für die jüngsten, Schwester Hedwig Herrmann für die älteren Internatsschülerinnen) wach, machten Vorschläge für ihre Würdigung in der Chronik der Hoffbauer Stiftung.

Das gemeinsame Wiedersehen vom 20. bis 23. April 1990 nach so langer Zeit war ein sehr inniges Treffen. Schwester Ida bat uns, aus unserem Leben zu erzählen. Und in allen Erzählungen spielte die Erinnerung an unsere Zeit auf Hermannswerder kurz nach Kriegsende eine bedeutende Rolle. Die beiden Diakonissen gaben uns, die wir meist durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse traumatisiert waren, so viel Halt und Zuwendung und Förderung, wie unter den damals äußerst schwierigen Bedingungen in Hermannswerder möglich war. Nicht nur mich hat die Dankbarkeit dafür mein ganzes Leben begleitet.

In ihrem Adventsbrief 1990 fasste auch Schwester Ida ihre Empfindungen und ihre Erinnerungen an unsere Internats-Zeit zusammen. Sie schrieb uns: „Aber es ist nicht hochfahrend von mir, wenn ich sage, dass ich stolz und dankbar bin, dass Gott Euch nach Hermannswerder geführt hat und ich so ein Samenkorn der Liebe in Eure Herzen pflanzen durfte. Wenn ich jetzt auch andere Erziehungsmaßstäbe hätte, so bliebe doch die Liebe die gleiche.“

Uta Denzin-v. Broich-Oppert