Schulsekretärin aus Leidenschaft

Sie war beim Neustart dabei und ist nach 30 Jahren immer noch voll Begeisterung für ihren Traumjob. Als Dreh- und Angelpunkt des Evangelischen Gymnasiums Hermannswerder prägt Sabine Rosenkranz gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern und Schulleitern wie Christoph Schröder und Leif Berling ein Stück Schulgeschichte. Für diese „ganz besondere Insel“ schlägt ihr Herz höher.

Sabine Rosenkranz

  • 1962 geboren in Potsdam
  • 1968 - 1978 POS II (heute Einstein-Gymnasium)
  • 1978 - 1980 Lehre als Facharbeiterin für Schreibtechnik
  • 1980 - 1981 Sekretärin bei der HO-Bezirksdirektion Potsdam
  • 1983 Weiterbildung zur staatlich geprüften Sekretärin
  • 1981 - 1991 Sekretärin bei Konsum Potsdam Land, Bereich Gaststätten
  • Seit 1991 Sekretariatsleitung des Evangelischen Gymnasiums Hermannswerder

Eigentlich will sie Lehrerin werden. Aber das darf sie nicht. Nicht als Kirchenmitglied und ohne Parteibuch. Eine Ausbildung zur Schulsekretärin ist auch nicht gestattet, doch immerhin gelingt der berufliche Einstieg als „Facharbeiterin für Schreibtechnik“.

Gleich nach der Wiedervereinigung im Mai 1991 ergibt sich eine Chance: Das gerade gegründete Evangelische Gymnasium Hermannswerder braucht eine Schulsekretärin. Für Sabine Rosenkranz ist das ein kompletter Neueinstieg. Bald findet sie ihre Rolle nicht nur als pragmatische Organisatorin, sondern vielmehr auch als Vermittlerin und „guter Geist“.

Das weiß auch Gründungsdirektor Pfarrer Christoph Schröder zunehmend zu schätzen. Bisher hat er die Schule im Alleingang aus dem Kirchlichen Oberseminar heraus weiterentwickelt.

Bereits in den achtziger Jahren führt sein Vorgänger Raimund Hoenen für das Kirchliche Oberseminar das Kurssystem der reformierten Oberstufe aus Westdeutschland ein. Nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal in der DDR, sondern ein grundlegender Reformschritt für die zügige Transformation in ein Gymnasium nach der Wiedervereinigung 1989.

Hier findet sie eine ganz andere Atmosphäre: Keine politische Vorgabe, keine angepassten Verhaltensmuster. Für Sabine Rosenkranz öffnet sich eine neue Welt.

Sie kommt nach Hermannswerder als die erste 9. Klasse gegründet wird. Das Gymnasium wird nämlich nach unten hin aufgebaut, gab es doch bis 1990 nur eine Art Oberstufe. Eben das dreijährige Kirchliche Oberseminar: Es ermöglichte jungen Menschen in der DDR nicht nur eine gymnasiale Bildung, die ihnen staatlicherseits verwehrt wird, sondern auch den Zugang zu theologischen Ausbildungen bis hin zum Studium an der Universität.

Hier erfährt Sabine Rosenkranz eine neue Sozialisierung: Sie stößt auf unbekannte Verhaltensmuster, wie ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein der Schüler, Provokationsfreude, Direktheit. Damit selbstverständlich umgehen zu lernen, kostet Kraft.

Aber es entstehen auch Freundschaften, wie mit einem damaligen Schüler, der heute zum Kollegium gehört. Überhaupt, die Bindung an Eltern und Ehemalige sind wichtig: „Hier gibt es ein gutes Miteinander. Wir pflegen eine sehr persönliche Atmosphäre, unterstützen die Stärkung eigener Kompetenzen und natürlich spielt das konfessionelle Fundament eine wichtige Rolle bei der Bildung von Wissen und Werten,“ resümiert die erfahrene Schulsekretärin.

Aber es kommen auch Jahre, da läuft es nicht so gut. Es bildet sich Reformstau. Die Schülerzahlen gehen zurück. Steht die Idee dieser außergewöhnlichen Schule in Frage? Keineswegs! Inzwischen steht das Gymnasium glänzend da: Der Sanierungsrückstand ist im Wesentlichen beglichen, zusätzliche Arbeits- und Aufenthaltsräume sind geschaffen, neue didaktische Ansätze werden gelebt, vielfältige Sportangebote und internationale Programme bereichern die Ausbildung.

Doch vor allem ein neuer Stil prägt die Schulgemeinschaft heute: Lehrer und Schüler arbeiten stärker auf Augenhöhe miteinander und die Wahrnehmung der Persönlichkeit spielt eine größere Rolle. Vor allem durch die offene Kommunikation ist eine starke Gemeinschaft aus Lehrern, Schülern und Eltern entstanden. „Heute ist die Schule hervorragend aufgestellt und den Schülern stehen tolle Möglichkeiten offen! Auch für mich hat sich die Arbeitssituation erheblich verbessert.“ Eine Erfolgsgeschichte, mit der das unermüdliche Engagement von Sabine Rosenkranz seit 30 Jahren eng verknüpft ist.