„Schau mal, ich hab Corona gebastelt …“

Stolz präsentiert mir der fünfjährige Junge aus der Sternengruppe sein Kunstwerk. Es sieht ein bisschen aus wie ein Seeigel, dieses stachelige, runde Gebilde aus Knete. Quer durch den Alltag haben die Kinder gelernt, mit den Veränderungen umzugehen, die Corona seit dem Frühling 2020 mit sich brachte: Hände waschen und dabei zweimal „Happy Birthday“ singen, Niesen und Husten in die Armbeuge, kein Händereichen beim Gebet zum Mittag oder am Ende des Morgenkreises. Selbst das Singen war eine Zeit lang nicht erlaubt und mit den Freunden aus der anderen Gruppe durfte nicht zusammen gespielt werden. Absperrbänder erstreckten sich über den Spielplatz.

Eltern durften das Haus wegen der engen Flure nicht betreten. Familien mussten während des Lockdowns zu Hause bleiben und kamen über viele Wochen und Monate gar nicht mehr in den Kindergarten. Kolleginnen konnten sich nur über Internet oder Telefon absprechen. Das Miteinander wurde zum Nebeneinander. Nähe war nicht erlaubt. Masken waren vorgeschrieben. Eine unglaubliche Flut an Regelungen und Dokumentationspflichten kam dazu: regelmäßige geänderte Hygieneregelungen, Listen mit minutengenauen Anwesenheitszeiten, Listen für die ausgegebenen Tests für Mitarbeitende und Kinder.

Das Schmerzlichste in diesem Jahr ist dann aber der Verzicht auf eine große Geburtstagsfeier. Der Pfingstkindergarten ist 75 Jahre alt geworden. 

Und dann hält mir der Junge aus der Sternengruppe sein „Corona aus Knete“ entgegen. Stolz und mit strahlendem Gesicht. Für ihn hat sich das Aussehen der Welt gar nicht verändert. Alles Sichtbare im Kindergarten und auf dem Außengelände ist gleich oder sogar schöner: Wir haben die Zeit genutzt und den Zaun saniert, neue Rasenflächen angelegt, den Bodenbelag auf dem Spielplatz von Sandstaub befreit, eine neue Nestschaukel aufgebaut. In zwei Räumen wurde in Form von Wolken an der Decke Schallschutz angebracht, ja sogar die Räume wurden neu gestrichen. Rings um den Kindergarten waren die Menschen aus den Gartenparzellen der Gemeinde ebenfalls unglaublich aktiv. Und ganz in der Nähe passieren spannende Bauarbeiten neben dem Büro.

Nach dem Sommer kommt der Junge aus der Sternengruppe in die Schule. Inzwischen ist er sechs Jahre alt. Ich bin sehr froh, dass wir seine Verabschiedung – zusammen mit den anderen Kindern, die uns ebenfalls Richtung Schule verlassen – wieder in der Kirche feiern konnten. Ich bin dankbar, dass allen kleinen und großen Menschen aus dem Pfingstkindergarten während der Pandemie nichts Schlimmes widerfahren ist. Mit den Impfungen wurde auch ein neues Miteinander möglich. Ein gemeinsames Arbeiten und Leben im Pfingstkindergarten mit weniger Angst. Auch im nächsten Jahr hat der Kindergarten Geburtstag.

Meine Hoffnung ist, dass wir den 77sten so groß feiern, wie wir es „vor Corona“ geplant hatten.